Nosetracking in der Strecke

Nasenarbeit mit dem Hund

So wie wir die Welt überwiegend über unsere Augen wahrnehmen, ist es für unsere Hunde ihr Geruchssinn, auf den sie sich verlassen können. 

Sie leben damit in einer Welt, die uns mit unseren Fähigkeiten verborgen bleibt. Unsere Hunde bei der Nasenarbeit zu beobachten ist eine faszinierende Erfahrung, die uns einen kleinen Blick auf ihre Sicht der Umwelt gibt. 

In den letzten Jahren hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass es für unsere Hunde ein Grundbedürfnis darstellt ihre Nase einsetzen zu können. 

Mittlerweile gibt es viele verschiedene Formen der Nasenarbeit. Schauen wir sie uns einmal im Detail an. 

 

welche Formen der Nasenarbeit gibt es?

Die derzeit wohl bekannteste Variante

Beim Mantrailing sucht der Hund den individuellen Geruch einer bestimmten Person.  Diesen erfährt er durch eine  Geruchsprobe. 

Menschen, aber auch andere Lebewesen verlieren ständig Unmengen an Hautschuppen. Auf diesen finden Zersetzungsprozesse statt, wodurch Moleküle in die Atmosphäre freigesetzt werden. Diese kann unser Hund beim Einatmen aufnehmen und verarbeiten. 


Jeder Mensch hat dabei einen individuellen Geruch. Somit ist der Hund beim Mantrailen in der Lage, eine konkrete Person aufzufinden. Mantrailer findet man bei Polizei- und Rettungseinsätzen, aber auch im Hobbybereich kann diese Form der Nasenarbeit viel Spaß bringen. 

Mantrailing eine Form der Nasenarbeit
Fährtenarbeit als weitere Nasenarbeitsform
Die älteste Form

Bei der Fährtenarbeit lernt der Hund  einer Bodenverletzung zu folgen. Diese entsteht, wenn ein Mensch oder ein anderes Lebewesen über einen natürlichen Untergrund läuft. Dabei wird Gras niedergedrückt, Blätter aufgewirbelt und Kleinstlebewesen zertreten.  Die abgestorbenen Substanzen zersetzt sich. Diesen Zersetzungsgeruch erkennt der Hund und kann damit der Strecke, die das Lebewesen zurückgelegt hat, folgen. Dabei spielt die Person selber jedoch keine Rolle. Es geht rein um den Streckenverlauf. 

 

Artverwandt mit der Geruchsstoffsuche

Die Zielobjektsuche wird oft mit der Geruchsstoffsuche verwechselt, es gibt jedoch deutliche Unterschiede, was den Geruch und die Möglichkeiten der Aufgaben betrifft. 
Bei der Zielobjektsuche soll der Hund „sein“ Objekt finden. Es sind meist kleine Gegenstände, wie eine Geldmünze, ein Feuerzeug, ein kleines Stück Leder oder ein Kugelschreiber. 

Bei der Suche orientiert sich der Hund am Eigengeruch des Gegenstandes kombiniert mit seinem Geruch, der dem Objekt anhaftet und dem Geruch seines Besitzers, der den Gegenstand auslegt und transportiert. 

Zielobjektsuche Naseanrbeits-Variante
Geruchsstoffsuche mit Anis
zu guter Letzt die

Geruchsstoffsuche

Auch wenn sich der Geruchsstoff in kleinen Gegenständen befindet, ist bei dieser Form der Nasenarbeit nur der Geruch selber von Bedeutung – nicht der Gegenstand. 

Die Aufgabe wurde den Einsatzanforderungen von Drogen- und Sprengstoffspürhunden nachempfunden. Der Hund lernt, dass ein bestimmter Geruch eine für ihn tolle  Belohnung verspricht. Damit hat er eine hohe Motivation, den Geruch in allen nur erdenklichen Umgebungen aufzuspüren und gegenüber anderen Gerüchen abzugrenzen. 


Rein theoretisch kann ein Hund auf jeden beliebigen Geruch konditioniert werden. Im Hobbybereich nutzen wir natürlich ungefährliche Substanzen. 

Welche Gerüche nimmt dein Hund wahr?

natürliche Duftstoffe in der Nasenarbeit
VS
unnatürliche Gerüche in der Nasenarbeit

Dein Hunde ist, wie alle Hunde, ein Beutegreifer. Gerüche, die irgendwie mit Nahrungsbeschaffung zu tun haben, sind für ihn interessant.
Er reagiert daher auf tierische Duftstoffe, aber auch auf Gerüchen, die durch Bodenverletzungen entstanden sind – schließlich benötigt er sie, um ein Beutetier aufzufinden. Als soziales Lebewesen beschäftigt er sich zudem eingehend mit dem Duft von Artgenossen und seinen Menschen.

Auf Duftstoffe von Pflanzen, Blumen, Obst und Gemüse reagiert er indes fast gar nicht und auch chemisch hergestellte Substanzen locken ihn nicht hinterm Ofen hervor. Obwohl er einen extrem stark ausgebildeten Geruchssinn hat, scheint er sich mit dieser Gruppe von Gerüchen nur bedingt auseinander zu setzen, oder hast du deinen Hund schon mal dabei beobachtet, wie er genüsslich an einer Blume schnuppert? Ja? Ok – das mag vorkommen, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass sich da ein anderer Hund mit seiner Duftmarke drauf verewigt hat.

Dass man nicht alles in seiner Umgebung wahrnehmen muss, sondern sich nur auf das konzentriert, was einen interessiert, kennen wir übrigens auch. Wir sind Meister im Sehen. Sie ist unsere Hauptsinnesleistung. Trotzdem gehen wir jeden Tag unzählige Male an Dingen vorbei, ohne sie wahrzunehmen. Sie rücken erst in unseren geistigen Fokus, wenn wir uns dafür interessieren.

 
Vielleicht hast du das schon mal erlebt. Du möchtest dir ein neues Auto kaufen, bist dir aber noch nicht ganz sicher, welches Model es sein soll. Du weißt nur, es soll irgendwie ein Kastenwagen sein. In den nachfolgenden Tagen wirst du unterwegs unzählige Kastenwagen sehen. Du fragst dich, ob schon immer so viele von den Dingern die Straßen deiner Stadt unsicher gemacht haben. Hast du dich aber irgendwann für ein Model entschieden, und es gekauft, dann verschwinden sie genauso schnell wieder, wie sie hergekommen sind.

Bei vielen Formen der Nasenarbeit wie beim Mantrailen, bei der Fährte oder wenn wir einfach Leckerchen verstecken, sprechen wir seine natürlichen Instinkte an. Der zu suchende Geruch ist für ihn kein unbekannter. Wir müssen ihm nur noch erklären, dass er diesen mit uns zusammen suchen soll.

Bei der Geruchsstoffsuche ist dies anders. Die Gerüche, die wir hier verwenden, sind für ihn völlig unbedeutend. Wir müssen sie zu einem Kastenwagen machen und in seinen Fokus rücken. Dies geschieht, indem wir den Geruch mit etwas für ihn tolles kombinieren. Wir machen ihm klar, dass dieser Geruch ein Versprechen für eine Futter- oder eine Spielzeugbelohnung ist. Man bezeichnet dies als Geruchskonditionierung. Um so stärker die Konditionierung gefestigt ist, um so besser sie gelungen ist, um so begeisterter wird er nach dem Duft suchen.

Auswirkungen der Nasenarbeit

Welche positiven Effekte kann die Nasenarbeit für deinen Hund und deine Beziehung mit ihm haben?

körperliche Auslastung

Nasenarbeit ist viel anstrengender, wie man zunächst meinen mag. Einem schnüffelnden Hund zuzusehen, wirkt oft eher entspannt. Das ist es aber absolut nicht. Vor allem, wenn es um die detaillierte Ausarbeitung einer Geruchsspur oder einer Geruchsquelle geht, wird es für den Hund anstrengend.

In Hochphasen atmet er bis zu 300-mal pro Minute ein und aus. Dadurch erhöht sich die Herzfrequenz und die Pulsrate. Das Blut wird immer schneller durch die Adern transportiert. Die Körpertemperatur steigt dabei um 2 bis 3 Grad an. 10 Minuten Nasenarbeit kann für den Hund anstrengender sein, wie eine halbe Stunde neben dem Fahrrad zu laufen.

Geistige Auslastung

Nasenarbeit ist natürlich nicht nur körperlich, sondern vor allem auch geistig anstrengend. Wenn dein Hund einen bestimmten Geruch ausarbeitet, muss er ihn gegenüber einer Vielzahl anderer Gerüche abgrenzen, die er ebenfalls wahrnimmt.
Aber damit nicht genug. In den meisten Fällen tritt der Geruch nicht punktuell auf, sondern er verteilt sich im Raum, wie eine Wolke. Möchte er die Geruchsquelle finden, muss er die Form der Wolke ausarbeiten und sich über ihre Grenzen zur Quelle vorarbeiten. Hierbei gilt es Richtungen zu erkennen, Witterungs- und Umwelteinflüsse zu verstehen und ältere von frischen Gerüchen zu unterscheiden.

Bindung

Im üblichen Hundetraining geben wir dem Hund die Aufgabe und ihr Lösung vor. Wir sind der Bestimmer und der Kontrolleur. Bei der Nasenarbeit funktioniert eine solche Herangehensweise nicht. Der Hund ist uns um Längen überlegen. Wir müssen uns auf ihn verlassen und dabei auch die Führung abgeben.
Das fällt längst nicht allen Menschen leicht. Aber wenn du es schaffst, dann eröffnet sich eine völlig neue Beziehungsebene zu deinem vierbeinigen Gefährten. Eine Beziehung, die auf gegenseitigem Vertrauen und einem tiefen Verständnis beruht. Gemeinsam eine schöne Zeit zu verbringen, Spaß zu haben und Abenteuer zu erleben, schweißt zusammen und lässt euch zu einem tollen Team werden.

persönlichkeits-entwicklung

Bei der Nasenarbeit kannst du deinem Hund nur bedingt helfen. Du kannst zwar versuchen, die Aufgabe für ihn zu strukturieren, aber den Geruchsstoff kann nur er ausfindig machen. Die eigenständige Arbeit führt aber auch zu wirklichen Erfolgen. Viel mehr wie in anderen Sportarten kann sich dein Hund bei der Nasenarbeit selbst verwirklichen.
Das Gefühl eine Aufgabe wirklich selbst gelöst zu haben stärkt das Selbstwertgefühl. Schüchterne und ängstliche Hunde profitieren ganz besonders davon. Sie können an den Erfolgen wachsen.
Aber auch ungestüme und hibbelige Hunde entwickeln durch die anspruchsvollen Aufgaben eine stärkere Konzentrationsfähigkeit

Spass

Abenteuer

Bindung

Warum wir uns für die Geruchsstoffsuche entschieden haben

Als wir vor 10 Jahren nach einer artgerechten Beschäftigung für unsere Hunde gesucht haben, haben wir verschiedene Varianten der Nasenarbeit ausprobiert. Dabei hatten wir jedoch auch ganz konkrete Wünsche mit im Gepäck, die diese Nasenarbeit erfüllen sollte. 

Am Ende erfüllte nur die Geruchsstoffsuche all diese Vorgaben. Durch den für alle Teilnehmer gleichen Geruchsstoff ergeben sich unendliche viele Gestaltungsmöglichkeiten, sodass das Training immer abwechslungsreich und spannend bleibt. 


Der Umgang mit dem Geruchsstoff ist kinderleicht und das benötigte Equipment überschaubar und leicht zu beziehen. 
Die Übungen lassen sich leicht in die tägliche Spazierwegrunde integrieren, oder bei schlechtem Wetter zu Hause gestalten. Das wichtigste aber, es macht den Hunden und ihren Besitzern gleichermaßen Spaß. 

In unserem Blog kannst du noch mehr über die Geruchsstoffsuche, und ihre Trainingsgestaltung erfahren.