Nosetracking – wie diese Form der Nasenarbeit entstand

NOSETRACKING - EINE ENTWICKLUNGSGESCHICHTE

Nosetracking ist eine Form der Geruchsstoffsuche, die von uns seit 2012 kontinuierlich weiter entwickelt wurde. Entstanden ist mit der Zeit eine tolle Beschäftigung für jeden Hund, die sehr anpassungsfähig und abwechslungsreich ist. Heute möchte ich euch ein wenig in die Vergangenheit mitnehmen zu den Anfangsschritten dieser tollen Nasenarbeit.

DIE SUCHE NACH JAGDLICHEN ALTERNATIVEN

Nosetracking wie diese Form der Nasenarbeit entstand
 Alles begann mit meinem Terrier. In jungem Alter entwickelte er durch meine Unwissenheit im Umgang mit Jagdhunden (ja auch Hundetrainern kann so etwas passieren), eine gewisse Jagdleidenschaft. Na ja, eigentlich ist das nicht ganz richtig. Es war wohl eher eine Obsession.

Wenn er nur den Geruch eines Wildtieres aufnahm, war er wie im Rausch. Er lief auf zwei Beinen, bretterte mit aller Wucht in die Leine und schrie den halben Wald zusammen. Dabei hatte er das Tier nicht einmal gesehen. Man kann sich kaum vorstellen, welch enorme Kräfte ein gerade Mal 10 kg schwerer Terrier aufbringen kann, wenn er unbedingt in eine bestimmte Richtung möchte.

 Wir haben verdammt viel gearbeitet – verdammt viel – und es wurde merklich besser. Jedoch hatte ich immer das Gefühl, dass unser Zusammenleben nur noch aus Verboten bestand. Tue dies nicht, tue das nicht, lass dies, lass das… In mir keimte die Befürchtung, dass ich sein Verlangen zu sehr unter Dach und Fach hielt. Das es sich irgendwann entladen könnte wie ein Dampfkochtopf mit defektem Druckventil. Ich suchte daher nach einer Möglichkeit ihn zumindest zeitweise den Umgang mit Gerüchen zu ermöglichen. Vielleicht würde sich damit auch unsere Beziehung wieder festigen.

Fährtenarbeit

Ich schaute mir im Folgenden verschiedene Nasenarbeit-Varianten an. Los ging es mit der Fährtenarbeit. Hierbei wird vom Menschen eine Strecke getrampelt. Dadurch entstehen Bodenverletzungen, die der Hund riechen kann. Er ist damit in der Lage, dem Streckenverlauf zu folgen. Mecki hatte den Dreh schnell raus und schien auch Spaß daran zu haben. Mir wurde das ganz, aber schnell zu umständlich.

Erst die Fährte trampeln, dann eine Weile liegen lassen und schließlich absuchen. Das braucht Zeit. Viel Zeit. Aber das schlimmste war, ich besaß einfach nicht das geeignete Gelände. Kein brachliegender Acker oder eine kaum genutzt Wiesenfläche. Kleine Streckenverläufe kriegte ich noch hin, aber größere anspruchsvollere Strecken waren nicht möglich.

Mantrailing

Mantrailing eine Form der Nasenarbeit

Also versuchte ich es mit Mantrailing. Diese Form der Nasenarbeit ist glaube ich mittlerweile so bekannt, dass ich da nicht viel zu erzählen muss. Eine Person versteckt sich irgendwo. Der Hund soll anhand einer Geruchsprobe den Weg der Person nachgehen und schließlich fündig werden. Mecki war vom ersten Tag an begeistert. Er war in seinem Element. Nur leider hatte ich nach jeder Trainingseinheit das Gefühl, dass ich damit auch seine Jagdbegeisterung neu schürte. Es dauerte meist zwei bis drei Tage bis er wieder auf ein normales Maße herunterkam.

Ich will hier keinesfalls behaupten, dass dies immer so sein muss. Wahrscheinlich bin ich die Ausbildung falsch angegangen oder es passte halt wirklich einfach nicht zu ihm. Vielleicht hätte man es mit Training in den Griff kriegen können, jedoch war das nicht das einzige Problem. War die Fährte schon Zeit aufwendig, dann toppte das Mantrailen dies nochmal um Längen. Das wichtigste für mich aber war der Punkt, dass ich es nicht allein und schon gar nicht zu Hause oder auf meinen Spaziergehwegen üben konnte.

K9 Nosework

Nach langer Recherche im Internet bin ich schließlich auf das sogenannte K9 Nosework bzw. Scent Detection gestoßen. Eine Form der Nasenarbeit, die in den USA und in Kanada bereits recht verbreitet war, hierzulande, zu dem damaligen Zeitpunkt, jedoch noch keiner gehört hatte. Die Sucharbeiten waren den Aufgaben von Sprengstoff oder Drogenspürhunden nachempfunden, nur dass natürlich ungefährliche Duftstoffe wie Birke oder Anis zum Einsatz kamen. Es klang perfekt und musste direkt mit einer kleinen Hand voll Mitstreiter getestet werden.

Was soll ich sagen, auch nach den ersten Testläufen waren wir immer noch begeistert. Es war genau das, was wir gesucht hatten.

Eine Form der Nasenarbeit, die

  • unseren Hunden Spaß machte,
  • sehr variable war, sodass immer neue Herausforderungen entstehen können,
  • überall angelegt werden kann
  • und sowohl alleine wie auch in einer Gruppe durchzuführen ist.

Das ganze machte uns so viel Freude, dass wir es auch in der Hundeschule anderen Hundebesitzern zugänglich machen wollten.

Eingedeutscht

Das Grundgerüst des K9 Nosework war perfekt, aber um es in Deutschland Gruppen kompatibel zu machen waren einige Anpassungen erforderlich. In seiner Ursprungsform passte es nicht zu unseren deutschen Lebensumständen.

In Amerika werden die Aufgaben in 4 Disziplinen

  • Containersuche | der Geruchsstoff befindet sich hier in einem von mehreren gleich aussehenden Behältern.
  • Indoor und Outdoorsuche |das erklärt sich denke ich von alleine
  • Vehikel Suche |eine Suche in und an Fahrzeugen.
unterteilt. 

Stellten die Containersuche und die Outdoor-Suche auch hierzulande kein Problem dar, sah das mit den beiden anderen Disziplinen schon problematischer aus.
Natürlich kann man mit seinem Hund in der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus nach Belieben die verschiedensten Suchaufgaben lösen.

In Deutschland, also zumindest im Ruhrgebiet ist es aber sehr schwer die Erlaubnis zu erhalten, mit einem Hund ein fremdes Gebäude abzusuchen. Mit einer ganzen Gruppe von Hunden und dann am besten auch noch regelmäßig, möglichst in unterschiedlichen Gebäuden – unmöglich.
Welcher Narr würde hier auch sein Fahrzeug zur Verfügung stellen, damit eine ganze Horde von Hunden daran suchen kann. Es mag ausgewählte Exemplare geben, denen Kratzer im Lack egal sind, aber die zu finden ist wie die Suche der Nadel im Heuhaufen.

Der Weg zur heutigen Form

In den folgenden Jahren suchten wir nach der „Deutschenform“. Welche Disziplinen waren für unsere Hunde neben der Containersuche und der Flächensuche (wobei wir nicht zwischen Outdoor und Indoor-Flächen unterscheiden) noch möglich? Wir haben viel probiert und dadurch viele Erfahrungen gesammelt.

So versuchten wir zum Beispiel eine Alternative zum Mantrailing und trugen den Geruchsstoff als Spur auf. Dabei testeten wir verschiedene Auftragsarten. Getropft oder getupft, als durchgezogener Auftrag oder nur gesprenkelt…. mit viel Geruch oder wenig. Alles Mögliche, um eine brauchbare Version zu finden. Die Ergebnisse waren jedoch nicht zufriedenstellend. Bei einem Spurverlauf mit 90 Grad Winkeln auf natürlichem Untergrund, ohne offene Flächen schien das ganze noch recht gut zu funktionieren. Aber sobald die Streckenverläufe anspruchsvoller wurden, mit einer gelaufenen Schleife oder einem Irrweg, kamen unsere Hunde nicht mehr zurecht. Aufgaben, die mein Terrier beim Mantrailen problemlos meisterte, waren hier unlösbar.

Wir kamen zu dem offensichtlichen Schluss, dass sich der Anisgeruch für den Hund nicht eindeutig zersetzt. Beim Mantrailing riecht der Hund die Zersetzungsprozesse unserer Hautschuppen. Am Grad des Prozesses kann er das Alter der Spur ablesen und damit Richtungen erkennen. Beim Anisöl wird der Geruch in die Atmosphäre freigesetzt und vom Wind weitergetragen. Einen Zersetzungsprozess wie bei Hautschuppen gibt es nicht. Das änderte sich auch nicht beim Versuch mit Anistee oder purem Sternanis.

Heute legen wir Objekte mit einem Geruchsstoff in den Spurverlauf. Dabei kann es sich direkt auf dem Weg oder bis zu 2 Meter entfernt vom Wegrand befinden. Es ist nie direkt zu sehen, sondern wird unter Hölzer und Laub, im Gras oder in Wurzellöchern verborgen. Auch ein Anbringen in der Höhe ist möglich. Den Streckenverlauf teilen wir unseren Teilnehmern dabei jedoch mit.
Im Vergleich zur Flächensuche kann der Hund in der Strecke nicht mehrmals hin und her laufen, sondern muss konzentriert vorgehen, um die Witterung direkt beim Vorbeigehen wahrzunehmen.

Für erfahrene Teams gibt es weitere Herausforderungen wie eine Speed-Suche, Distanzsuche oder die Suche nach vergrabenen Verstecken.

Anisöl oder was?

Bei der Wahl des Geruchsstoff blieben wir dem amerikanischen Vorbild treu. Nachdem wir mit verschiedenen natürlichen Stoffen wie Anistee oder purem Sternanis experimentiert hatten, mussten wir uns eingestehen, dass ein ätherisches Öl deutlich einfacher in der Handhabung und zudem langlebiger ist. Natürliche Substanzen schimmeln schnell oder kontaminieren das Suchgebiet, weil sie sich bei Wind und Wetter schlechter an Ort und Stelle halten lassen.

Der größte Vorteil des Öls ist seine lange \“Haltbarkeit\“ des Geruchs. So können angelegte Suchaufgaben über einen längeren Zeitraum hinweg erarbeitet werden. Viele unserer Events sind erst durch diesen Umstand überhaupt möglich.

Beim Geruch selber mussten wir Veränderungen vornehmen, weil die beim K9 Nosework verwendeten Varianten hier in Deutschland zum Teil schlecht erhältlich und damit sehr teuer sind.
Unsere Hunde suchen ätherische Öle mit Anis, Lavendel, Basilikum und Zedernholz sowie deren Mischungen

Schlussendlich

Am Ende unterschied sich die \“Deutsche Variante\“ so sehr von der amerikanischen Urform, dass wir dem ganzen einen neuen Namen geben wollten, um eine Abgrenzung zu finden. Nosetracking wurde geboren.

Heute ist es eine tolle Nasenarbeitsvariante die jedem Schnupperbegeisterten Hund Spaß macht. Seit den Anfängen vor 10 Jahren haben zahlreiche Hunde in unseren Kursgruppen mitgemacht. Einige sind von Anfang an dabei – teilweise bereits in der zweiten Generation. Wir hoffen, dass noch mehr Hundebesitzer gefallen an dieser Nasenarbeitsvariante finden.

Nosetracking Infoheft

Möchtest du mehr über diese tolle Form der Nasenarbeit erfahren. In unserem Infoheft haben wir dir alles Wissenswerte zusammen getragen. 

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